Freitag, 19. Oktober 2012

Leere

Was finde ich wenn ich in mich hineinblicke? Wenn ich all den Lärm einmal weglasse mit dem das Leben mich füllt, was bleibt dann noch? Nichts als eine gewaltige Leere ist da, eine völlig öde und nichtssagende Wüste ohne Struktur, ohne Anhaltspunkt, ohne irgendetwas. Alles was ich tue dient immer nur dazu die Leere kurz mit etwas oberflächlichem, kurzlebigem zu füllen, oder nicht einmal das sondern sie nur zu verdecken, einmal mit Zorn, einmal mit Spaß (aber nicht Freude!) einmal mit Lust, dann wieder mit einer scheinbar religiösen Gefühlswallung wie sie einen während der heiligen Messe oder beim intensiven Gebet schon einmal überkommen kann und die dann doch wieder vergeht wie ein Rausch von einer Flasche Wein und einen schwächer als zuvor zurücklässt. Da ist nichts, nichts zum anhalten, nichts dauerhaftes, kein Mittelpunkt und keine Wand, keine Linie, kein Wegweiser, nichts. Da ist nichts - Gott helfe mir.

Ein spätes Postscriptum:
Es ist weit weniger furchterregend die Leere in einem selbst zu betrachten wenn man sie zu akzeptieren beginnt. Das ist wohl auch gemeint, wenn gelehrt wird, daß man selbst nichts vermag, aber Gott in einem alles. Wo sonst sollte der Heilige Geist Platz finden als dort, wo eben Platz ist - und dazu muss es eine Leere geben. Wir sind es nicht gewohnt zunächst einmal keinen festen Halt zu haben, ja wir haben Angst davor. Ich bin mir sicher, es zahlt sich aus darauf zu vertrauen, daß man nicht ohne Netz und Boden fällt, wenn man es schafft sich zu überwinden und darauf einzulassen.

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